Immer mehr Eltern klagen über die falsche Entscheidung der Lehrer. Nach der Grundschule kommt für viele Kinder und Eltern die Frage auf, welche Schullaufbahn eingeschlagen wird. Zur Auswahl stehen die Hauptschule, die Realschule, wie auch das Gymnasium.
Früher gab es für das Gymnasium in der vierten Klasse ein Übertrittszeugnis. Hier musste man einen Durchschnitt von 2,5 in den Fächern Deutsch, Mathe und HSU erreichen, um auf das Gymnasium wechseln zu können.
Heute sieht der Welt der Kinder nicht mehr so einfach und rosig aus. Längere Schulzeiten, viele Hausaufgaben verkürzen die Spielzeit enorm. Doch nun wird es noch schlimmer für die Kinder. Sie dürfen nicht mehr selbst entscheiden, wie ihre schulische Laufbahn aussieht.
In der vierten Klasse erfolgt ein Eltern-Lehrer-Gespräch. Hier entscheidet der Lehrer anhand von Noten und mündlichen Beurteilungen, welches Kind auf das Gymnasium, welches auf die Realschule und welches auf die Hauptschule gehen muss. Liegen Probleme, wie Prüfungsangst, die häufig schon bei kleinen Kindern auftreten, vor, werden diese bei der Beurteilung nicht verwendet. So entschied ein Lehrer in Baden-Württemberg, dass ein Kind auf die Hauptschule soll, weil dieses in Mathe eine 3,6 und in Deutsch eine 3,2 hatte. Doch auf die Aussage, der Eltern, dass das Kind unter panischer Prüfungs- und Versagungsangst leide und daher oftmals Fehler mache, ging der Lehrer überhaupt nicht ein. Er meinte dann nur, dass sie ja nach der fünften Klasse auf die Realschule wechseln könne.
Doch ist das richtig? Wieso dürfen Lehrer unseren Kindern den Lebensweg verbauen. Jeder weiß heutzutage, welchen schlechten Ruf Hauptschulen haben. Welche Berufschancen ergeben sich denn noch für einen Hauptschüler? So gut wie keine mehr!
Jedes Kind sollte die Möglichkeit bekommen, sich seine Schule auszusuchen. Kann es die dort geforderten Leistungen nicht erbringen, kann es immer noch auf eine andere Schule versetzt werden. Das Schulsystem wird strenger und entfernt sich immer mehr von den Schülern und deren Zukunft.
Nicht nur in der Schule, auch im Unternehmen geht die Schere immer weiter zwischen Personal und Leistungen auseinander. Für ein Unternehmen zählt nur noch Gewinn. Werden die Mitarbeiter zu teuer, werden diese entlassen. Doch das diese Mitarbeiter überhaupt den Gewinn eines Unternehmen erwirtschaften, wird oft übersehen. Für die Geschäftsleitung ist das Personal ein Kostenpunkt. Die Wirtschaft steht am Rande des Ruins. Einige Firmen haben bereits verstanden, dass etwas geschehen muss und setzen nun auch auf andere Werte, wie Humankapital, Strukturkapital und Beziehungskapital. Die Arbeitskraft, das Wissen und der Fleiß der Mitarbeiter, sollte ebenfalls in einer Bilanz aufgelistet sein.
Was in einigen Unternehmen bereits, wie in der Schweiz, umgesetzt wird, ist in Deutschland noch Zukunftsmusik. Von einer Wissensbilanz 2.0 hat man zwar schon mal gehört, doch von einer Umsetzung möchte kaum einer etwas hören.
Doch nicht nur Unternehmen können davon profitieren. Auch die Schulen könnten ihr System ändern und neben den Noten auch andere Beurteilungen erstellen. Das ermöglicht, besonders bei der Bewerbung, einen Einblick in die immateriellen Werte eines Bewerbers. Nicht nur Noten sind wichtig, sondern auch der Mensch an sich.
Doch bis es soweit kommt, wird es noch eine ganze Weile dauern und so werden weiterhin die Lehrer über die Zukunft unserer Kinder entscheiden.
Bianca Mauche-Schmider