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Wissen und Information

Posted by Fallmanager on Dez 24th, 2008 and filed under Wissensmanagement. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

Meine Damen und Herren,

wir müssen hier nicht nochmal eine akademische Debatte führen. Wer im Web nach dem String “wissen und Information” sucht, wird ganze Bibliotheken über das Verhältnis beider zueinander finden.

Die Quintessenz all dieser Debatten liegt meiner Meinung nach noch immer in der Opposition von natur- und ingenieurwissenschaftlich geprägtem Verständnis einerseits, und geistes- und sozialwissenschaftlich geprägtem Verständnis andererseits.

Hierzu einige Anmerkungen.

Das Paradigma des Ersteren ist noch immer: Wissen ist etwas, das durch Maschinen geordnet werden kann und Menschen, die dieses abrufen, stehen nur insofern zur Debatte, dass sie die Informationen alle in gleicher Art und Weise abrufen. Das ist falsch.

An den vielen hochinteressanten Wahrnehmungscharakteristika des Menschen scheinen dabei überhaupt nur wenige Interesse zu zeigen. (übrigens der Grund, wieso im Wesentlichen nur Apple, die wirklich aus der Wahrnehmungsforschung lernen und lernen WOLLEN, brauchbare Bedienkonzepte für IT hervorbringen).

Ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Umgang mit meinem Rechner:

In Ermangelung von IT, welche die Möglichkeiten der menschlichen Warhnehmung nutzt, verwandele ich für mich mit Bordmitteln von Windows meinen eigenen Windows-Explorer in ein Wissensmanagent-System, das wirklich mit den Wissensattributen spielt, die ich für wichtig erachte - und die weitgehend vernachlässigt werden.

Wisst ihr, was ich tue? Ich färbe Ordner ein, gebe ihnen unterschiedliche Icons und verhelfe so meiner Wahrnehmung, vermittels Assotiationen, Relationen, Ähnlichkeitswahrnehmungen schnell Ordnung zu finden.

Dabei kommt mir z.B. auch das menschliche Wahrnehmungsfeature zugute, das man an das Eine denkt, und einem dabei etwas Anderes ebenfalls ins Auge fällt. Vielleicht hat das jeder schon erlebt, wenn ihm ein vertrauter, aber lange nicht gerochener Geruch in die Nase steigt, und er sich daraufhin an eine Episode in der Kindheit erinnert. Das kann man getrost ein menschliches Wahrnehmungsfeature nennen und es kann auch technisch genutzt werden, eben mit solchen Icons.

Wir sollten ein neues Fach einführen: Bionic IT (oder so ähnlich)

Ein für die Schaffung von Ordnung ganz wichtiges Attribut von Dateien ist deren Erstellungsdatum. Dateien, die ich selbst erstelle, tue ich in der Form <2008-05-16_…>. Das Erstellungsdatum ist ein wunderbares Ordnungsinstrument. Eigentlich kann es technisch genutz werden, aber niemand tut es.

Eine weitere Idee:

Hätte ich die Muße, mir etwas zu programmieren, ich würde die Ordner automatisch einfärben lassen, und zwar mit verschiedenen Farben: z.B. je röter, je öfter ein Ordner geöffnet wird; je blauer, je aktueller die Dateien darin sind, etc. etc, der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Und wenn man nun auch nach diesen Merkmalen suchen und sortieren kann: a hell of a systematic arrangement.

Das sind alles ganz einfache Sachen, die sich ohne großen Aufwand bereits unter Win 3.1 hätten verwirklichen lassen. Aber was haben sie mit Wissensmanagement zu tun?, werden einige fragen. Diese kleinen Sachen machen sich die natürliche AKTIVITÄT den Menschen bei der Informationssuche zunutze. Diese Suchaktivität, die nie abwesend ist, geschieht vor dem Hintergrund seiner Motive, etwas finden zu wollen, seiner Vorkenntnisse, ja sogar seines kulturellen Backgrounds

Also müsste es auch neben bionic IT eine cultural IT geben.
Und von hier aus kann man ins ganz große Feld des Wissensmanagements fortschreiten.

Denkt einmal an Datenbanken, die informieren sollen. Denkt daran, dass im Grunde auch Spiegel-Online eine Datenbank ist. Niemand käme allerdings auf die Idee, den Inhalt in eine Excel-Tabelle zu packen - obwohl der Informationsgehalt (vordergründig) der gleiche wäre.

Denkt an Organisationen oder Unternehmen, in welchen Wikis eingeführt werden. Da wird dann einfach gesagt: “Nun schreibt mal”, und niemand tut es. Formularartige Einstiege können helfen und 1000 Sachen mehr. Und wer überlegt schon, dass Blogs in Unternehmen auch nach hinten losgehen können. Denn diese Art der Äußerung eigener Befindlichkeiten ist eigentlich garnicht erwünscht - schreit geradezu nach Aufmüpfigkeit.

Etwas gewitztere Wissensmanager habe carot-stick-Methoden, um die Mitarbeiter zur Wissensmanagement-Mitarbeit zu bewegen: Speisepläne, Flohmärkte, Mitfahrbörsen etc. ziehen die MA auf das Portal.

Aber das hängt alles von der Gewitztheit Einzelner ab. Würde man den sozial- und kulturwissenschaftlich orientierten Leuten mehr Vertrauen entgegenbringen, die IT der Zukunft wäre eine gänzlich andere - eine bessere.

Und noch etwas: Eine Software zu installieren, sei sie noch so gut und benutzerfreundlich, führt das Wissensmanagement noch lange nicht zum Erfolg. Der Kampf gegen das etablierte System muss trotz allem auf sich genommen werden. Einem Wissensmanager wird man auch in absehbarer Zukunft nich in die Arme fallen und ihm Dank zollen, dass er alle Mitarbeiter dazu “gezwungen” hat, zukünftig anders zu arbeiten, als sie es in der Vergangenheit getan haben.

Soweit für heut’

SH

QUELLE:
https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=2803341

1 Response for “Wissen und Information”

  1. Gast sagt:
    • Das implizite Wissen eines Experten ist nur für ihn selbst zugänglich. Es ist zeitlich und sozial an seinen Besitzer gebunden und somit privat. Das implizite Wissen der Organisation ist im Gegensatz zum privaten impliziten Wissen des Individuums zur gleichen Zeit in mehreren Köpfen vorhanden, kollektiv.
    • Explizites Wissen ist beschreibbares, formalisierbares, zeitlich stabiles Wissen, welches standardisiert, strukturiert und methodisch in sprachlicher Form in Dokumentationen, Datenbanken, Patenten, Produktbeschreibungen, Formeln, aber auch Systemen, Prozessen oder Technologien angelegt werden kann. Es ist außerhalb der einzelnen Individuen gespeichert (disembodied knowledge) und kann im Vergleich zu implizitem Wissen mittels elektronischer Datenverarbeitung relativ einfach verarbeitet, übertragen, verteilt und gespeichert werden.
    • Prozedurales Wissen hält feste Vorgehensweisen oder Strategien fest und entspricht dem Know-how.
    • Erfahrungswissen ist das durch die Sinneswahrnehmung gewonnene Wissen, welches in eine bestimmte Situation eingebettet ist. Es ist somit gegen Vergessen resistenter als reines Wortwissen.
    • Deklaratives, faktisches Wissen repräsentiert Kenntnisse über die Realität und hält feststehende Tatsachen, Gesetzmäßigkeiten sowie bestimmte Sachverhalte fest; es entspricht damit dem Know-that.
    • Statistisches Wissen entspricht dem Wissen, welches aus Fallsammlungen stammt.
    • Kausales Wissen stellt Wissen dar, in welchem Beweggründe und Ursachen festgehalten werden (know-why).
    • Heuristisches Wissen hält bestimmte Sachverhalte in Regeln fest.
    • Klassifizierungs- und Dispositionswissen repräsentiert Wissen, welches dem Wissenden ermöglicht, komplexe Gegenstände aufzuschlüsseln und bestimmte Sachverhalte richtig einzuordnen.
    • Relationenwissen stellt Wissen dar, welches dem Wissenden ermöglicht, Strukturen und Zusammenhänge zu sehen.

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